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Festungsbau

Was hat Festungsbau mit der Migräne zu tun?

120 Einzelabbildungen aus über drei Jahrhunderten Festungsbaukunst.

120 Einzelabbildungen, beginnend mit Albrecht Dürers "Front" aus über drei Jahrhunderten Festungsbaukunst. Aus "Festungsbau-Kunst und -Technik", Hartwig Neumann. © Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1988

Ein typisches visuelles Symptom der Migräne erhielt seinen Namen "Fortifikation" [Befestigung, Festungswerk] durch seine an Befestigungsanlagen erinnernde geometrische Gestalt.

Erst die Erfindung der Pulverwaffen erzwang die heute für neurologische Fortifikationen so typische Gestalt. Die Durchschlagskraft der Kanonenkugeln revolutionierte zwangsläufig den Festungsbau. Sie erzwang sternförmige Grundrisse mit spitzwinkeligen Mauern und niedrige Erdwälle mit flachem Böschungswinkel als effektive Abwehr.

L'ART DE LA FORTIFICATION Festungsbau und Festungskrieg vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Ausstellung vom 21.11.2000 bis 21.02.2001 Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Aedificium der Stadt Gottes

Der Bezug der Migräne zum Festungsbau sollte nicht verwechselt werden mit einem weiteren oft genannten Bezug der Fortifikation als Vision der Stadt Gottes.

Oliver Sacks, zum Beispiel, erwähnt in seinem Buch "Migräne", daß bereits die Nonne Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) die Fortifikationen als Aedificium der Stadt Gottes deutete.

Typisch gezackte Festungsanlagen gab es zu Lebzeiten von Hildegard von Bingens noch nicht. Festungsbau und Geschützbau waren einander bedingende − und eskalierende − Techniken und begannen erst nach dem Mittelalter ihren Kreislauf.

Wirklich charakteristisch für das Stadtbild wurden Fortifikationen sogar erst nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-48). Da zerfiel Deutschland in über 300 selbstständige Territorialstaaten. Die Städte verloren ihre Selbstständigkeit und unterstanden nunmehr den Landesfürsten. Als absolutistische Herrscher sichern sie die Städte durch Festungsanlagen, die heute an die Migräne Aura erinnern.

Wahrscheinlich meinte Hildegard das "himmlische Jerusalem" (=Paradies), wie es in der Apokalypse, der Offenbarung des Johannes beschrieben wird, deren Aedifizium wird symbolisiert z.B. im Kirchengebäude, als Radleuchter oder als Bild einer Stadt der Glückseligen.

Autor: Markus Dahlem
Zuletzt geändert am: 30 Juni 2004

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