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Morphogenese
Als Morphogenese bezeichnet man die Entwicklung von
Strukturen und Merkmalen bei Lebewesen. Das Ziel der
Morphogenese einer Aura ist es, die Form visueller Symptome
der Migräneaura herzuleiten und sich dabei auf
selbstorganisierende Prozesse zu stützen.
Selbstorganisation bezeichnet das spontane Auftreten neuer
Strukturen und Verhaltensweisen und schließt
strukturgebende Prozesse von außen aus. Bei der
Morphogenese der visuellen Migräneaura sollen also nur
(patho)physiologische Prozesse des Gehirns als
Erklärung dienen. In Zusammenhang mit
Selbstorganisation spricht man auch von
Musterbildung, da die selbstorganisierenden Prozesse
räumliche und auch zeitliche Muster bilden.
Selbstorganisierte Musterbildung als Erklärung
einfacher visueller Halluzinationen ist keine Besonderheit
der Migräne. Der Psychologe Heinrich Klüver
nannte bei Halluzinationen durch Drogeneinfluß die
Muster universelle "Formkonstanten", zum Beispiel Gitter
und Spiralen. Die spontane Organisation zu universellen
Formkonstanten ist gerade ein Merkmal der
Selbstorganisation. Solche formkonstanten Muster
können auch bei der Migräneaura vorkommen. Doch
die enorme Vielfalt der visuellen Migräneaura scheint
eine Einteilung dieser Sehstörungen in bestimmte
Grundmuster zu vereiteln. Eine Einteilung der Aura nach
morphologischen Merkmalen, auch Taxonomie genannt,
wäre aber ein wichtiger Schritt zur differenzierten
Diagnose der neurologischen Störungen bei
Migräne.
Das Problem der Formenvielfalt der Migräneaura
muß systematisch angegangen werden. Zuerst muß
eine Modellvorstellung der Entstehungweise einer
migränösen Halluzination entwickelt werden. In
vielen Modellvorstellungen wird eine Trennung der
pathologischen und physiologischen Prozesse vollzogen. Auf
beiden Ebenen können unterschiedliche musterbildende
Prozesse stattfinden. Dieser Gedanken stammt
ursprünglich aus der Pionierarbeit zur
Migräneaura von Karl Lashley
(1944). Eine enorme Formenvielfalt sensorischer
Störungen bei Migräne mit Aura kann durch die
Kombination der Muster auf beiden Ebenen erklärt
werden. Inwiefern dieser Ansatz eine vollständige
Taxonomie visueller Symptome ermöglicht, steht noch
offen. Die Trennung von pathologischen und physiologischen
Erregungsmustern kann durch eine Metapher veranschaulicht
werden. [nächste
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Literatur
Klüver, H.: Mescal and Mechanisms of
Hallucinations. Chicago: The University of Chicago Press,
1966, 108 S.
Lashley K (1941) Patterns of cerebral integration indicated
by scotomas of migraine. Arch Neurol Psychiatry 46:
331-339.
Autor: Markus Dahlem
Zuletzt geändert am: 24. August, 2004
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