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Author: Klaus Podoll 10. April 2007
Edited by: Klaus Podoll

Bodecea

Website der Künstlerin

Bodecea, Normales Sehen, 2006. © 2006 Bodecea (siehe hier)

Bodecea, Aura, 2006. © 2006 Bodecea (siehe hier)

Aura sehen...

Von Bodecea

Ich finde es ja normalerweise unproduktiv bis überflüssig, sich über seine Wehwehchen im Internet zu ergehen. Da ich aber nicht Husten, Schnupfen oder Halsweh, sondern eine "interessante Krankheit" vorweisen kann, möchte ich davon berichten.

Ich sehe Auren. Und damit meine ich nicht, dass ich hin und wieder ein bisschen was an "Energiefeld" um Menschen herum erkennen kann, sondern, dass ich seit ein paar Jahren ca. zwei Mal im Jahr für eine halbe Stunde Migränehalluzinationen vom Feinsten bekomme.

Dabei habe ich noch nicht einmal Migräne.

Als es das erste Mal passierte, war ich zu Hause. Plötzlich merkte ich, dass ich Probleme beim Sehen hatte. Da ich keine guten Augen habe und ich manchmal bei Kreislaufproblemen schlechter sehe, dachte ich mir dabei nicht viel. Dann aber fingen schillernde, pulsierende Zacken an, sich über meine Sicht zu schieben. In dem Moment bekam ich schon etwas Angst - was war das? Werde ich jetzt verrückt? Habe ich mich vergiftet? Die Muster hatten eine zackenförmige Front wie aus Lichtblitzen, ein bisschen so wie die hellen Punkte, die man sieht, wenn man sich zu heftig die Augen reibt. Alles außen herum war verschwommen und wirkte fremd und verzerrt.

Nach einer halben Stunde voller Bangen ließen die Muster nach. Mir war etwas schwindlig, und ich hatte leichte Kopfschmerzen. Mühsam, da kaum klar sehend, googelte ich so lange im Netz, bis mir zumindest klar war, was das war - eine Migräne-Aura. Das ist gar nicht mal so selten - die bekannteste Patientin mit dieser Störung war Hildegard von Bingen (siehe Bild). Wenn die Sehstörungen so wie bei mir und Hilde eine zackenförmige Linie bilden, spricht man von Fortifikation, da der Verlauf einer alten Festung, also einem Fort, ähnelt.

Die meisten - oder zumindest viele - Menschen mit solchen Halluzinationen haben außerdem Migräne, die meist kurz nach einem solchen "Anfall" einsetzt. Es gibt aber auch Fälle, wo nach dem kurzen Anfall keinerlei Beschwerden auftauchen oder aber nur leichte Kopfschmerzen und Verwirrung und ein vorübergehendes Unwohlsein - so wie bei mir. Zum Glück!

Gefährlich ist das Auftreten dieser Störung nicht, auch wenn manche mutmaßen, dass es bei sehr jungen Patienten ein Hinweis auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko sein kann, wenn weitere Indikatoren wie Rauchen, hoher Blutdruck und schlechte Cholesterinwerte dazu kommen. Da das alles bei mir nicht zutrifft, mache ich mir wenig Sorgen. Bisher sind diese Anfälle immer nur aufgetreten, wenn ich zu Hause oder gerade spazieren war - auf der Autobahn oder im Vorstellungsgespräch würde ich es ungern bekommen. So aber kann ich - natürlich wegen der eingeschränkten Sicht vorsichtig - weitergehen, einen kleinen Bummel auf Drogenoptik erledigen oder aber einfach abwarten.

Ich finde diese Erfahrung interessant, auch wenn ich - wie nach dem "Anfall" gestern - manchmal hartnäckige leichte Kopfschmerzen wie bei einer Erkältung habe und hoffe, dass das nicht immer häufiger passiert. Typische Trigger wie bei normaler Migräne (die ja oft Auslöser hat wie bestimmte Nahrungsmittel, Hormonphasen usw.) konnte ich noch nicht ausmachen.

Organisch betrachtet scheint der Auslöser von so etwas eine Art elektrische Störung zu sein, die einmal durch das Hirn bzw. bestimmte Areale pflügt und dabei die Sehstörungen und andere Störungen verursacht. Manche Menschen haben auch Lähmungen dabei oder können kaum sprechen (ich habe damit nur geringe Probleme) oder halluzinieren Dinge wie Insekten, die über ihre Haut krabbeln.

Medikamente gegen die Aura gibt es nicht, abgesehen davon, dass man sich gegen Kopfweh danach eine Aspirin einwerfen kann.

Hier habe ich versucht, mal mit einem Bildbearbeitungsprogramm anzudeuten, wie eine Migräne-Aura im Vergleich zu einer normalen Optik bei mir ungefähr aussieht: [siehe oben]

(Bodecea, Bodeceas Palaver, 31. Oktober 2006)

Bodecea, Luchsauge, 2007. © 2007 Bodecea (siehe hier)

"Luchsiges... Ich habe mich, unter anderem im Zuge einer 13Monde-Arbeit, wieder intensiver mit meinem Krafttier Luchs beschäftigt.

Ich bat ihn um eine Vision und erhielt etwas, das sich beim Malen zu dem hier gezeigten Bild formte. Ich grübel immer noch, was er mir damit sagen wollte... die Zacken erinnern an meine Migräneaura, und ich hatte den Gedanken, dass Licht herauskommt, weil das dunkle hineinfließt zu dem allsehenden Auge."

(Bodecea, Bodeceas Palaver, 7. April 2007)

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