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| Author: Klaus Podoll | 26. August 2007 |
| Edited by: Klaus Podoll |
"Sehr geehrter Herr Dr. Podoll,
über Bekannte habe ich erfahren, dass Sie sich näher mit dem Thema 'Augenrauschen' befassen. Ich weiß eigentlich erst seit der Veröffentlichung des Artikels auf Wikipedia.de, dass dies ein Symptom bzw. Krankheit ist.
Ich muss dieses 'Augenrauschen' schon mein ganzes Leben haben, daher kenne ich 'klar sehen' nicht. Schon als Kind sah ich weiße Pünktchen am Himmel und in der Nacht und auf weißen (einfarbigen) Flächen das bekannte Rauschen. Verstärkt wird das Augenrauschen bei mir durch Stress. Komme grad von 3 Wochen Spanienurlaub zurück, dort hatte ich so gut wie keine Probleme. Kaum zurück im Job und es ist schon wieder da. Da ich an oft sehr lange am Computer arbeiten muss, stört mich das Rauschen doch sehr. (Durch TFT-Monitor noch verstärkt!!)
Angefangen richtig zu stören hat es mich eigentlich erst letztes Jahr im Sommer. Da kamen noch andere komische Symptome hinzu. Als erstes blähte sich mein Bauch immer wieder wie ein Ballon auf (fühlte sich irgendwie an wie vor einer Prüfung). Dies ging soweit, dass ich mich krank schreiben lies. Mein Hausarzt konnte nichts feststellen. Aber die Symptome wurden immer schlimmer. Es kam immer in Schüben mit Schwindel und irgendwie derealisierte sich alles ein wenig. Selbst ein Urlaub konnte nicht helfen.
Gegen Herbst wurde es dann langsam besser. Auch ein Komplettcheck mit MRT in der Uniklinik, Augenarzt, Neurologe blieb ohne Ergebnis. Zum Glück. Zwischenzeitlich hatte ich 2 x ein Flimmerskotom und habe andauernd Ohrwürmer. Ich weiß das mag jetzt komisch klingen, aber das nervt zusätzlich. Mir gehen Lieder, Werbungen, usw. Stundenlang im Kopf rum. (Das hat jeder mal, aber doch nicht täglich!?) Das kam auch am Ende des letzten Sommers noch dazu.
Einige Symptome die mich z.Zt. belasten:
1. Augenrauschen
2. Leichter Tinnitus, abhängig von der Stärke des Augenrauschens
3. Ab und zu wieder Blähbauch mit Schwindel.
4. 'Ohrwürmer'
5. Nackenverspannungen
6. Kribbeln und Schmerzen in den Gliedern
Bitte geben Sie mir einen Tipp, wie ich weiter vorgehen soll. Einfach ignorieren oder zu einem Arzt gehen? Und wenn ja, zu welchem? Über meinen Hausarzt komm ich einfach nicht weiter. Ich bedanke mich schon einmal im vorraus, dass Sie sich die 5 Minuten Zeit genommen haben, meine E-Mail zu lesen."
(Mat [Subjekt #425], Email an Klaus Podoll, 26.08.2007)
"1. Name oder Internetpseudonym (optional): Mat
2. Email (optional):
3. Wohnort (optional): Deutschland
4. Alter: 27
5. Geschlecht: männlich
6. Staatsangehörigkeit (optional): deutsch
7. Leiden Sie an klassischer Migräne (= Migräne mit Aura) oder einfacher Migräne (= Migräne ohne Aura)? In welchem Alter fing die Migräne an?
Nur Flimmerskotome (seit September 2006).
8. Wie behandeln Sie Ihre klassische oder einfache Migräne? Welche Medikamente nehmen Sie ein und helfen sie?
Keine Behandlung.
9. Welche Diagnose ist bei Ihnen gestellt worden?
Noch keine Diagnose.
10. Beschreiben Sie Ihre visuellen Störungen möglichst exakt und geben Sie an, wie lange diese schon bestehen?
Ich hatte Augenrauschen schon mein ganzes Leben. Im Juni 2006 wurde das Augenrauschen schlimmer.
11. Gibt es Ihrer Meinung nach weitere mögliche Störungen bzw. Symptome, die mit den visuellen Störungen in Verbindung stehen könnten?
Ebenfalls seit Juni 2006 habe ich einen leichten Tinnitus. Merke es nur, wenn ich starkes Augenrauschen habe, nach einem anstrengenden Arbeitstag. Betroffenes Ohr ist rechts. Seit dieser Zeit kam es immer wieder vor, dass mein Bauch blähte sich wie ein Ballon aufblähte. Ich sah aus, als wäre ich im 9. Monat schwanger. Der Druck ist immer so groß, dass ich Probleme beim Schlucken bekomme. Hatte ich jeden Tag, immer in Attacken. Hier traten auch die Derealisationszustände und Schwindelattacken auf, die nur Minuten dauerten. In dieser Zeit hatte ich absolut keinen Appetit und hatte Mühe, etwas runter zu bekommen. Dieser Zustand dauert ungefähr ein Monat, dann bekam ich langsam wieder Hunger.
Seit Ende August 2006 habe ich andauernd 'Ohrwürmer'". (Könnte ihnen sogar noch den genauen Tag nennen, an dem es zum ersten Mal auftrat: am 29.08.2006.) Höre ich ein Lied, geht es mir im Kopf rum. Es kann aber auch sein, dass ich morgens aufwache und mir ein aktueller Titel im Kopf rumschwirrt. Alle Musikstücke sind mir bekannt, auch wenn manche schon etwas älter sind. Was vielleicht noch interessant für sie sein dürfte: Im Urlaub August 2007 hatte ich 3 Wochen lang dies nicht. Obwohl wir sehr viel Radio gehört haben. Erst nach einer durchzechten Nacht am Ende des Urlaubes begann es wieder. Wenn ich mich an der Arbeit konzentriere hab ich es auch nicht. Meist erst nach Feierabend oder morgens nach dem aufwachen.
Sowohl Tinnitus als auch die 'Ohrwürmer' hatte ich bereits vor Juni bzw. August 2006 wiederholt einmal gehabt. Der Tinnitus war nur ein kurzes Pfeiffen, welches wieder verschwand, hat wahrscheinlich jeder mal. Auch einen 'Ohrwurm' hat, denke ich, jeder einmal. Da ging mir ein Lied vielleicht mal 'ne Stunde im Kopf rum. Der Sommerhit 1 x im Jahr. Aber mehr nicht. Wann die beiden Phänomene das erste Mal als kurze Attacken aufgetreten sind, kann ich leider nicht mehr sagen. Dies liegt zu weit in der Vergangenheit und ich habe dem damals kein Beachten geschenkt.
Flimmerskotome traten Ende September 2006 im Abstand von einer Woche 2 x auf. Immer nach einem anstrengenden Arbeitstag abends. Dauer eine halbe Stunde. Keine Kopfschmerzen. Flimmern wanderte im Gesichtsfeld bis es verschwand.
12. Was nehmen Sie zur Behandlung ein bzw. welche weiteren Maßnahmen haben Sie ergriffen? Hilft es?
Noch keine.
13. Haben Sie ein auslösendes Ereignis (Trigger) für Ihre visuellen Störungen feststellen können?
Nein.
14. Welche Untersuchungen haben Sie bereits durchlaufen und wie waren deren Ergebnisse?
MRT, Augenarzt, Neurologe (alles ohne Befund).
15. Welche Medikamente/Drogen haben Sie vor Beginn der persistierenden Wahrnehmungsstörungen eingenommen?
Keine.
16. Welche Medikamente/Drogen haben Sie nach Beginn der persistierenden Wahrnehmungsstörungen eingenommen? Gab es Effekte auf die persistierenden Wahrnehmungsstörungen?
Keine.
17. Haben Sie eine positive Familienanamnese für Migräne? Falls ja, wer in der Familie ist betroffen.
Meine Mutter leidet unter Migräne ohne Kopfschmerzen. Keine Flimmerskotome.
18. Abschließend haben Sie hier die Möglichkeit, weitere Informationen und/oder Beschreibungen zur Verfügung zu stellen.
Zur Zeit geht es mir relativ gut. Nur noch ab und zu ein Blähbauch. Hunger normal. Augenrauschen nach langer Computerarbeit oder Sonnenbad schlimmer, sonst erträglich da eigentlich schon gewohnt. Tinnitus selten und leicht. Ohrwürmer je nach Tagesverfassung. Keine Muskel oder Gliederschmerzen mehr. Nacken nur ab und zu leicht verspannt. War falsches sitzen an der Arbeit. Keine Flimmerskotome mehr. Habe die versucht die Antworten so genau wie möglich zu geben. Wenn Sie noch weitere Fragen haben oder noch etwas unklar ist bitte ich Sie mir kurz zu mailen. Es wäre schön wenn Sie mir Vorschläge zum weiteren vorgehen geben könnten. Therapien, Medikamente, Ergebnisse aus den Untersuchungen."
(Mat [Subjekt #425], Email an Klaus Podoll, 26.08.2007)
"Nochmal zum chronologischen Ablauf der 'Ohrwürmer':
Angefangen Ende August 2006 (am 29.08.2006): Damals gingen mir immer irgendwelche Werbeslogans durch den Kopf (damals Mediamarkt Werbung).
Bis Dezember 2006: Keine Besserung, auch immer wieder aktuelle Titel sowie alte.
Weihnachtsurlaub 2006: Kaum Beschwerden
Bis August 2007: Immer wieder Ohrwürmer, aber nicht mehr so viele.
August Sommerurlaub 2007: Die ersten 3 Wochen Spanien, trotz vielem Radio hören keine 'Ohrwürmer', dann durchzechte Nacht und die letzten 3 Tage vom Urlaub (seit 30.07.2007) ist es wieder da.
Bis dato: Morgens Ohrwürmer und ab und zu wenn nicht konzentriert bei der Arbeit bin.
Es ist eigentlich so, das immer wenn ich nichts denken sollte und entspannen will, die Ohrwürmer kommen. Und das ist ziemlich anstrengend. Deshalb waren die ersten Wochen im Urlaub auch so schön, da ich wieder am Strand liegen konnte und einfach nichts im Kopf rumspuckte."
(Mat [Subjekt #425], Email an Klaus Podoll, 26.08.2007)
"Ich hatte eine vermehrte Streßbelastung vor der 2. Episode (Juni 2006): Abendschule, Trennung von Freundin (November 2005), Umzug (November 2005) und erneuter erneuter Umzug (März 2006), neue Freundin (April 2006). Auch vor der 3. Episode etwa zwei Monate später (29. August 2006) bestand noch eine vermehrte Streßbelastung. Kein erholsamer Urlaub, da es mir schlecht ging, dazu noch lange Autofahrten. Ein Beispiel: Ich windsurfe für mein Leben gerne, besser mein Leben ist danach ausgerichtet. Und damals hatte ich noch nicht mal mehr Lust die Windvorhersagen anzusehen. Kein Appetit, usw. Konnte nicht abschalten, da ich mir immer Gedanken machte, warum es mir so schlecht geht. Was ich mich aber gefragt habe ist, woher diese Verstimmung kommt? Warum? Alles war wie immer. Job, Freundin, Urlaub, Schule, alles i.O.! Besserung erst wieder langsam in den September hinein, danach ganz normal gearbeitet."
(Mat [Subjekt #425], Email an Klaus Podoll, 26.08.2007)
"Natürlich können Sie meine Daten im Internet veröffentlichen. Bin bin genau so interessiert an den Untersuchungsergebnissen wie Sie.
In dieser Phase, die ich angesprochen habe, hatte ich kaum Kopfwehbeschwerden.
Aber als Jugendlicher (ab 14 Jahre) hatte ich genau mit diesem Symptomen, die Sie beschrieben haben, zu kämpfen. Ich kann mich an 6-7 Migräneattacken erinnern. Klopfender Schmerz, so stark, dass meine Augen anfingen zu tränen. Übelkeit ja, Erbrechen nur bei einer Migräne. Als Medikament nahm ich nur Paracetamol oder Aspirin. Leider kann ich Ihnen nicht mehr sagen wo der Schmerz lokalisiert war.
Ich bitte dies noch in ihrer Diagnosestellung zu berücksichtigen, ich dachte Sie sprechen in dem Fragenbogen nur den aktuellen Zustand an.
Ich werde den Spontanverlauf abwarten und mal ein wenig vom Gas gehen. Wenn sich in einem Jahr nichts gebessert hat, trotz umgestelltem Lebenswandel, werde ich eine aktive Therapie angehen.
Die Diagnose lautet ja persistierenden Migräneaura. Ich weiß jetzt zwar, durch was diese ausgelöst werden kann, aber: Was bedeutet dies genau? Woher kommt es? Gibt es schon eine Erklärung/Theorie für das Augenrauschen? Wie entsteht eine musikalische Palinakusis? Mir kommt es so vor als würden die Nerven/Gehirn verrückt spielen: Augenrauschen, Tinnitus, 'Ohrwürmer', 1000 Gedanken, komische Übelkeit (hab ich ja beschrieben), Schmerzen in den Gliedern.
Mit 1000 Gedanken meinte ich nur das Grübeln was es ist, woher es kommt, was man dagegen tun kann, oder ob man überhaupt was tun kann. Wird es schlimmer?"
(Mat [Subjekt #425], Email an Klaus Podoll, 28.08.2007)
Mat [Subjekt #425], Augenrauschen, 2007. © 2007 Mat (größeres Bild siehe hier)
"Sehr geehrter Herr Podoll, Entschuldigung dass ich jetzt erst antworte, aber ich war auf Geschäftsreise.
Im Anhang ein Bild, das ich zufällig bei einem Surftrip in Makkum geschossen habe, so 'verpixelt' sehe ich in der Dämmerung. Nur rauschend. Die hellen Pixel bewegen sich, so wie das im Simulator dargestellt ist. Was am Simulator nach meiner Meinung nicht richtig ist, ist dass die Punkte weiß sind. Aber wahrscheinlich ließ es sich nicht anders darstellen.
Bei mir ist das Augenrauschen nur in der Dämmerung bzw. Dunkelheit stark ausgeprägt. Ich liebe Tage, an denen die Sonne scheint, da trage ich zwar wegen meiner Lichtempfindlichkeit eine Sonnenbrille, aber das Flimmern ist weg.
Heute ist ein trüber Tag. Ich habe das Licht in meinem Schlafzimmer an. Schaue ich zum Licht, sehe ich kein Rauschen, schaue ich in die dunkle Ecke, rauscht es.
Irgendwie komisch, man könnt fast meinen, dass hier eine Unterbelichtung vorliegt, wie auf dem Foto im Anhang, oder man nimmt das Rauschen in der Helligkeit nicht wahr, da es auch hell ist?!?!
Z.Zt. nehm ich das Augenrauschen stark wahr, habe dieses leichte Rauschen auf dem rechten Ohr (Tinnitus?) und die 'Ohrwürmer' sind aber wieder am abklingen.
Viele Grüße, Mat"
(Mat [Subjekt #425], Email an Klaus Podoll, 06.09.2007) [mehr]
Podoll K. Musical palinacousis as an aura symptom in persistent aura without infarction. In: Rose FC (ed) The Neurology of Music. Academic Press, London 2008 (in press)
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