CK [Subjekt #560], Versuch einer Zeichnung meines Flimmerskotoms, 2008. © 2008 CK
"Sehr geehrter Herr Dr. Podoll, ich bin zufällig im Forum Augenrauschen auf die o.g. Studie und den dazugehörigen Fragebogen gestoßen. Da die letzten Einträge zu der Studie schon einige Monate alt sind, wäre ich dankbar für einen kurzen Hinweis, ob diese noch läuft. Falls ich Ihnen den ausgefüllten Fragebogen zusende, werten Sie diesen dann noch aus?
Besten Dank im voraus.
Mit freundlichen Grüßen
CK"
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 24.04.2008)
"Hier mein Fragebogen:
1. Name oder Internetpseudonym (optional): CK
2. Email (optional):
3. Wohnort (optional):
4. Alter: 35 Jahre
5. Geschlecht: Weiblich
6. Staatsangehörigkeit (optional): Deutsch
7. Leiden Sie an klassischer Migräne (= Migräne mit Aura) oder einfacher Migräne (= Migräne ohne Aura)? In welchem Alter fing die Migräne an?
Ich leide an klassischer Migräne, die Aura äußert sich als Flimmerskotom. Zunächst habe ich einen blinden Fleck, dann für ca. 30 Min. das Flimmerskotom, anschließend Kopfschmerzen (für den Rest des Tages, selten noch am nächsten Tag).
8. Wie behandeln Sie Ihre klassische oder einfache Migräne? Welche Medikamente nehmen Sie ein und helfen sie?
Ich nehme lediglich 1 Tablette Ibuprofen mit Lysin sobald der blinde Fleck auftritt. Dies hilft, den anschließenden Schmerz zu dämpfen und lässt mich ganz gut durch den restlichen Tag kommen. Gegen die Sehstörungen hilft es allerdings nicht.
9. Welche Diagnose ist bei Ihnen gestellt worden?
Keine, ich habe die Migräne selbst diagnostiziert.
10. Beschreiben Sie Ihre visuellen Störungen möglichst exakt und geben Sie an, wie lange diese schon bestehen?
Das Charakteristische an meinen visuellen Störungen ist, dass sie extrem schwer zu beschreiben sind. Weder habe ich ein deutliches Flimmern, noch Doppelbilder, Gesichtsfeldeinschränkungen oder ähnliches. Ich habe einfach ein 'komisches Gefühl' am rechten Auge. Der Zustand ist ziemlich exakt so wie der, wenn das Flimmerskotom gerade aus dem Gesichtsfeld gewandert ist, ich also kein Flimmern mehr sehe, aber mein Auge dennoch nicht wieder ganz in Ordnung ist. Ich fühle mich zur Zeit also permanent wie in dem Moment zwischen Flimmerskotom und Kopfschmerz bei einem normalen Migräneanfall. Dauerhaft vorhanden ist dieses Gefühl seit ca. einer Woche. Seit ca. 9 Monaten habe ich immer mal wieder Probleme mit meinen Augen, die ich aber nie genau zuordnen konnte. Ich war inzwischen zweimal beim Augenarzt (vor ca. 8 Monaten und diese Woche), ohne Befund.
11. Gibt es Ihrer Meinung nach weitere mögliche Störungen bzw. Symptome, die mit den visuellen Störungen in Verbindung stehen könnten?
Ich hatte vorige Woche sehr mit extrem niedrigen Blutdruck zu kämpfen und hatte manchmal abends im Bett das Gefühl, nicht richtig atmen zu können (als laste ein Stein auf meiner Brust). Einmal hatte ich etwas, das ich als Panikattacke bezeichnen würde. Ich bin daher zu einer Ärztin gegangen, die zunächst einen Bluttest angeordnet hat. Ergebnis war, dass mein Cortisolwert sehr erhöht ist. Dieser wird nächste Woche erneut überprüft. Ob dies im Zusammenhang mit den Sehstörungen steht, weiß ich nicht. Ich habe der Ärztin bei meinem letzten Besuch über die Sehstörungen berichtet und sie hat mich erst darauf gebracht, dass diese in Verbindung mit einer Migräne stehen können. Daraufhin habe ich viel darüber gelesen und mich z.T. wiedergefunden (außer dass ich eben kein visual snow o.ä. habe).
12. Was nehmen Sie zur Behandlung ein bzw. welche weiteren Maßnahmen haben Sie ergriffen? Hilft es?
Bis jetzt wurden noch keine Maßnahmen ergriffen. Der Augenarzt hat mir lediglich künstliche Tränenflüssigkeit verordnet, weil ich trockene Augen hätte. Diese nehme ich, sie ändert aber nichts an der visuellen Störung.
13. Haben Sie ein auslösendes Ereignis (Trigger) für Ihre visuellen Störungen feststellen können?
Nein, einen konkreten Auslöser nicht. Es wird allerdings bei längerer Computerarbeit schlimmer.
14. Welche Untersuchungen haben Sie bereits durchlaufen und wie waren deren Ergebnisse?
S.o. (Blutuntersuchung, normale augenärztliche Untersuchung).
Augeninnendruck ist okay, der wurde am Dienstag (21.04.2008) schon geprüft! Auch ansonsten war die routinemäßige Augenuntersuchung (Sehschärfe, Augenhintergrund etc.) einwandfrei. Lediglich geringe Tränenmenge.
15. Welche Medikamente/Drogen haben Sie vor Beginn der persistierenden Wahrnehmungsstörungen eingenommen?
Lediglich Diane 35 zur Empfängnisverhütung.
16. Welche Medikamente/Drogen haben Sie nach Beginn der persistierenden Wahrnehmungsstörungen eingenommen? Gab es Effekte auf die persistierenden Wahrnehmungsstörungen?
Ebenso lediglich Diane 35. Keine Effekte erkennbar.
17. Haben Sie eine positive Familienanamnese für Migräne? Falls ja, wer in der Familie ist betroffen.
Ja, meine Mutter hatte früher schwere Migräneanfälle (konnte z.T. zwei Tage nur im abgedunkelten Zimmer liegen). Seit den Wechseljahren hat sie aber so gut wie keine Beschwerden mehr.
18. Abschließend haben Sie hier die Möglichkeit, weitere Informationen und/oder Beschreibungen zur Verfügung zu stellen."
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 24.04.2008)
Zu dem Beginn der 1. Episode einer persistierenden Aura ohne Hirninfarkt berichtete CK auf Nachfrage die folgenden ergänzenden Informationen: "Nein, es ging keine normale Migräneattacke voraus. Ich kann mich auch nicht an ein besonders stressiges Ereignis erinnern. Ich war gerade von 2 Wochen Urlaub in Deutschland zurück und hatte drei Tage ohne besondere Vorkommnisse gearbeitet."
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 24.04.2008)
"Gemerkt habe ich es im Laufe des Tages. Es kann aber gut sein, dass es vorher schon da war - ich hatte ja bereits seit einigen Monaten immer mal wieder Augenprobleme (Computerarbeit war anstrengend, ich hatte öfter das Gefühl die Augen zusammenkneifen zu müssen). Aufgefallen, dass es permanent da ist und nicht mehr weg geht, ist es mir letzten Freitag (17.04.2008) am Nachmittag."
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 24.04.2008)
"Ich habe Ihren Test [sukzessive monokuläre Prüfung beider Augen] durchgeführt und das seltsame Gefühl befindet sich am rechten Auge [genauer gesagt, an der äußersten rechtsseitigen Peripherie des Gesichtsfeldes des rechten Auges], nicht [binokulär] am [rechten] Rand des Gesichtsfeldes [beider Augen]. Das ist bei mir bei einer normalen Migräneattacke allerdings auch so, wenn ich mich richtig erinnere."
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 24.04.2008; Ergänzungen in eckigen Klammern von Klaus Podoll)
"Wenn ich mit beiden Augen schaue, ist es nur rechts. Und, wie gesagt, ich sehe nichts, ich fühle nur. Wirklich schwierig zu beschreiben. Ich würde sagen, es hat ganz geringe bis gar keine visuelle Qualität. Das macht die Beschreibung ja so schwierig. Mir scheint es, als würde ich 'es' bei Lichteinfall von rechts stärker merken, als wäre ich rechtsseitig ein wenig lichtempfindlich. Ich habe kein Fremdkörpergefühl. Wenn mein Flimmerskotom aus dem Gesichtsfeld wandert, spüre ich auch immer noch, dass es da ist, obwohl ich wieder alles sehen kann. Und genau dieses Gefühl ist es. Aber woran ich es spüre, kann ich beim besten Willen nicht in Worte fassen. Vielleicht fällt mir über das Wochenende noch eine bessere Beschreibung ein, dann gebe ich Ihnen nochmal Bescheid."
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 24.04.2008)
"Zur Vervollständigung Ihrer Unterlagen möchte ich noch nachreichen, dass ich nun doch bereits hier eine Kernspin-Untersuchung habe durchführen lassen. Diese war ohne pathologischen Befund. Nachdem ich am Wochenende und auch in den letzten Tagen meine Augen so wenig wie möglich angestrengt habe, habe ich das Gefühl, es sei inzwischen eine spürbare Verbesserung eingetreten."
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 07.05.2008)
"Dann warte ich nun erst einmal ab, wie es sich weiter entwickelt. Ich bin im Juni für drei Wochen in Deutschland. Halten Sie es bei Fortbestehen der Beschwerden für sinnvoll, dann ggf. dort einen Neurologen aufzusuchen (es gibt auch hier sehr gute Ärzte, aber vieles lässt sich in der Muttersprache doch besser erklären)?"
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 24.04.2008)
"Herzlichen Dank, dass Sie sich jetzt schon so viel Mühe gemacht haben. Es ist ein gutes Gefühl, ernstgenommen zu werden, obwohl meine Beschreibung der Beschwerden nicht wirklich über 'komisches Gefühl' hinaus ging... Ich halte Sie auf jeden Fall auf dem Laufenden."
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 24.04.2008)
"Zu Ihrer Frage: zum ersten Mal trat die Migräne mit Aura im Alter von 23 Jahren auf (ich weiß dies so genau, weil ich an dem Tag mein erstes Referat in der Uni gehalten habe).
Bis jetzt besteht das Problem leider übrigens immer noch - ich hatte ein wenig darauf gehofft, dass es über's Wochenende verschwindet..."
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 27.04.2008)
"Ich sehe gerade, dass ich Ihnen noch eine Antwort schuldig bin bzgl. der Sehprobleme in den letzten Monaten. Bei einer Fortbildung im letzten Sommer (2007) ist mir aufgefallen, dass beim Wechsel vom Schreiben/Lesen in meinen Notizen zum Lesen von Text an der Tafel das Fokussieren recht lange dauert. Zudem hatte ich bei Tätigkeit am PC immer wieder das Gefühl, zwinkern zu müssen und nicht ganz scharf sehen zu können. Ein Besuch beim Augenarzt blieb aber ohne Befund. Ich bin mir rückblickend nicht sicher, ob meine Augen lediglich überanstrengt waren (ich arbeite täglich mehrere Stunden am PC) oder ob die Symptome ähnlich waren wie die, die jetzt dauerhaft vorhanden sind.
Mir ist noch eine Frage eingefallen: gibt es eigentlich etwas, was ich jetzt schon tun könnte, um das Verschwinden der Aura zu fördern? Entspannungsübungen, Reduzierung der PC-Arbeit o.ä.?"
(CK [Subjekt #560], Email an Klaus Podoll, 28.04.2008)
Holmes G. The organization of the visual cortex in man. Proc R Soc Lond Series B (Biol) 1945; 132: 348-361.
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