Aktuelle Studienergebnisse zu Migräne

Die aktuellen Studienergebnisse zur Migräne Krankheit
29 Mrz

Der deutsche Begriff Migräne ist eine Abwandlung des französischen Begriffs Migraine, welcher sich aus der lateinischen und griechischen Sprache von hemigraina beziehungsweise hemikrania ableitet, was so viel bedeutet wie halbschädeliger Schmerz.

Während die Namensherkunft leicht zu klären ist und bereits wichtige Hinweise auf die Symptome dieser neurologischen Erkrankung liefert, ist die Erkrankung selbst bis heute nur unzureichend verstanden. Aus diesem Grund wird intensiv daran geforscht um die Ursachen für die Erkrankung zu finden. Ein besseres Verständnis der Migräne würde dazu beitragen bessere Behandlungsmöglichkeiten und mögliche Heilungsansätze zu entwickeln.

Ursprung der Migräne

Um die Ursachen dieser neurologischen Erkrankung finden zu können, konzentriert sich ein Teil der neueren Studien auf statistische Erhebungen zur Häufigkeit von Migräne in der Bevölkerung in allen Staaten, in verschiedenen Altersgruppen und zu Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Mittlerweile wurden deutliche Tendenzen der Verbreitung von Migräne in der Bevölkerung erkannt, aus denen sich eine Reihe von Schlüssen zum Ursprung dieser neurologischen Erkrankung ziehen lässt.

Es bestehen teilweise deutliche Zusammenhänge mit den Herkunftsländern und der damit einher gehenden Lebensweise, mit dem Geschlecht und einige Hinweise auf den Ursprung durch Unterschiede der Verteilung und der Ausprägung von Migräne zwischen den Geschlechtern und den unterschiedlichen Altersgruppen.

Sowohl ältere, als auch neuere Studien, wie die im November 2018 von den GBD 2016 Headache Collaborators im Lancet veröffentlichte Analyse von Studien aus den Jahren 1990 bis 2016 zeigen, dass es deutliche regionale Unterschiede der Prävalenz von Migräne gibt. Dabei ist ersichtlich, dass die Häufigkeit von Migräne in den modernen Industrienationen wie dem Großteil der europäischen Staaten, Australien und Neuseeland sowie Nordamerka um bis zu 200 % höher ist als in Entwicklungsländern und Schwellenländern wie China, dem gesamten südost-asiatischen Raum, einem Großteil Afrikas und dem zentralen Teil der amerikanischen Kontinente. Gleichzeitig ist die Anzahl der von Migräne betroffenen Patienten in den am stärksten betroffenen Regionen im vergangenen halben Jahrundert um bis zu 200 % angestiegen.

Mögliche Auslöser

Aus der genannten deutlichen Korrelation wird allgemein auf einen direkten Kausalzusammenhang zwischen Migräne und der Lebensweise geschlossen. Mittlerweile werden Stress, ein gestörter Biorhythmus mit sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf und insbesondere bei Frauen hormonelle Schwankungen als die wichtigsten Auslöser von Migräne angesehen. Viele Betroffene vermuten auch einen Zusammenhang mit einer Reihe von Lebensmitteln. Diese Vermutung muss jedoch teilweise angezweifelt werden, da der vermeintliche Zusammenhang in den meisten Fällen andere und plausiblere Gründe hat.

Eines der Symptome einer bevorstehenden Migräne sind Heißhungerattacken. Diese sind von Person zu Person unterschiedlich und betreffen oft nur bestimmte Lebensmittel. Gleichzeitig sind sich die meisten betroffenen Personen nicht der Tatsache bewusst, dass die so genannte Vorbotenphase bis zu zwei Tage vor dem eigentlichen Migräneanfall auftreten kann. Dadurch ist es möglich und wahrscheinlich oft der Fall, dass bestimmte Lebensmittel zu Unrecht als Auslöser für Migräne in Verdacht geraten, anstatt zu erkennen, dass der Konsum dieser ein Resultat der Migräne ist. Trotzdem gibt es eine Reihe von Lebensmitteln, bei denen ein Einfluss auf die Migräne plausibel ist. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Alkohol – insbesondere Rotwein, Kaffee, Käse und Schokolade.

Darüber hinaus ist ein Zusammenhang mit weiteren Lebensmitteln wahrscheinlich, die Histamin, Thyramin und Serotonin enthalten. Alle diese Lebensmittel haben die Gemeinsamkeit, dass ihre Inhaltsstoffe einen direkten Einfluss auf die Funktionsweise der Nervenzellen haben. Die genannten Inhaltstoffe haben im Körper die Aufgabe als Neurotransmitter zu fungieren. Aus diesem Grund kann die Veränderung der Konzentrationen im Körper durch die Zuführung von außen zu den unkontrollierten Nervenimpulsen führen, welche von Mirgräne bekannt sind. Auch erklärt dies warum Frauen im Verlauf ihres monatlichen Zyklus temporär anfälliger für Migräne sind. Die betreffenden Hormone haben ebenfalls eine bedeutende Rolle als Neutrotransmitter und beeinflussen deshalb deutlich die neuronalen Aktivitäten im zentralen und peripheren Nervensystem.

Genetische Ursachen

Während mittlerweile verschiedene Faktoren als akute Auslöser eines Migräneanfalls erkannt worden sind, gibt es erst seit wenigen Jahren Hinweise darauf, woher Migräne überhaupt kommt. Ähnlich wie die Statistiken zur weltweiten Verbreitung von Migräne sowie den Unterschieden zwischen Männern und Frauen wurden auch Studien zum Auftreten von Migräne bei verschiedenen Altersgruppen durchgeführt. Dabei konnte gezeigt werden, dass während Migräne in der Regel erst ab einem Alter von 25 Jahren regelmäßig diagnostiziert wird, sie tatsächlich bereits viel früher auftritt. Zum Ende der Pubertät berichtet jedes fünfte Kind von Symptomen, welche einer Migräneerkrankung entsprechen.

Bei anderen Studien konnte das Auftreten von Migränesymptomen bei Kindern in einem Alter von etwa 10 Jahren nachgewiesen werden. Die Häufigkeit liegt in dieser Altersgruppe bei rund 12 von 100 Kindern. Dieses frühe Auftreten von Migräne macht deutlich, dass nicht nur eine ungesunde Lebensweise und schädliche Lebensmittel als Auslöser anzusehen sind, sondern der tatsächliche Ursprung einer Migräneerkrankung in anderen Dingen gesucht werden muss.

Da Migräne wesentlich mehr Symptome hat als nur den intensiven, meistens einseitigen Kopfschmerz, wurden in anderen Studien diese weniger bekannten Symptome für mögliche Diagnosen heran gezogen. Dabei konnte die Ärztin Amy A. Gelfand, MD zwei wichtige Zusammenhänge nachweisen. Der erste ist, dass Babys von Frauen, die an Migräne leiden, wesentlich öfter Koliken haben. Der zweite Zusammenhang ist, dass bei Personen, die als Baby unter Koliken litten später Migräne häufig diagnostiziert wird. Da Probleme mit dem Verdauungstrakt auch im Erwachsenenalter zu den Symptomen einer Migräneerkrankung zählen, wird mittlerweile angenommen, dass Koliken ein Symptom von Migräne bei Babys sind. Ein solch frühes Auftreten von Migräne kann keinesfalls auf die Lebensweise oder die Ernährung zurück geführt werden. Aus diesen Gründen kann mittlerweile als gesichert angenommen werden, dass diese neurologische Erkrankung genetische Ursachen hat, während alle übrigen Faktoren die genetische Prädisposition nur noch weiter verstärken.

Während bereits im Jahr 2012 von Dale et al. eine genetische Mutation, die offenbar mit Migräne in Verbindung steht, identifiziert werden konnte, ist auf diesem Gebiet noch viel Forschung notwendig. Das Nervensystem des Menschen ist bis heute noch nicht völlig verstanden, sodass weder ausgeschlossen werden kann, dass weitere Mutationen ebenfalls für Migräne verantwortlich sein könnten, noch bekannt ist, welche weiteren Mutationen in Verbindung mit Migräne stehen. Trotzdem konnte mittlerweile eine mögliche Vererbbarkeit von Migräne gezeigt werden. Im Englischen wurde der Begriff „familial hemiplegic migraine“ geprägt – auf Deutsch die familiäre hemiplagische („halbseitig gelähmte“) Migräne.

Die Zusammenhänge zwischen genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen, welche Migräne auslösen können sind noch lange nicht vollständig verstanden. Ein möglicher Ansatz alle bisherigen Erkenntnisse in Einklang zu bringen sind Erklärungsversuche, welche den Begriff der Epigenetik mit einbeziehen. Die Epigenetik befasst sich mit dem Fakt, dass zwar Informationen im Erbgut vorhanden sein können, doch nicht jedes Gen zu jeder Zeit aktiv exprimiert wird. Verschiedene Umweltfaktoren haben demnach einen Einfluss auf die Expression von Genen und können auf diese Weise die Funktion von Zellen verändern. Es gibt mittlerweile Studien zu diesem Thema, wie die Arbeit von S. H. Gan und M. M. Shaik welche unter dem Titel „Epigenetics and migraine“ 2017 in dem Buch „Neuropsychiatric Disorders and Epigenetics“ veröffentlicht worden ist.

Heilungsaussichten

Wie bei jeder anderen Erkrankung auch, so ist die Aussicht auf eine Heilung von Migräne vor allem von einem umfassenden Verständnis der Erkrankung abhängig. Dieses muss die Ursachen beinhalten, welche die Migräne selbst verursachen und die Faktoren, welche zu einem akuten Migräneanfall führen. Vor allem die genetischen Grundlagen sind noch lange nicht hinreichend erforscht, sodass wahrscheinlich ein Großteil der involvierten Gene noch nicht erkannt worden ist.

Aus diesem Grund ist die Entwicklung von Heilungsansätzen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Falls zukünftige Forschungsergebnisse bestätigen, dass es sich bei Migräne um eine rein genetische Erkrankung handelt, die durch verschiedene Umwelteinflüsse lediglich aktiv in Erscheinung tritt, dann müssen sich zukünftige Therapiemethoden auf das Feld der Gentherapie konzentrieren. Da die Entwicklung von Gentherapien momentan selbst noch an ihrem Anfang steht, wird eine Heilung dieser Erkrankung nicht innerhalb der nächsten Jahre möglich sein. Erschwerend kommt hinzu, dass Migräne kein einheitliches Krankheitsbild aufweist.

Dies lässt vermuten, dass als Auslöser eine ganze Reihe von genetischen Mutationen zusammen wirken. Dadurch müsste eine zukünftige Gentherapie direkt die Veränderung mehrerer Gene umfassen, was den Aufwand vergrößert und die Aussicht auf eine Heilung in naher Zukunft noch unwahrscheinlicher macht.

Vermeidung von Migräneanfällen

Da eine Heilung von Migräne in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist, bleibt Betroffenen nur die Möglichkeit die Häufigkeit von Migräneanfällen so weit es geht zu reduzieren. Als wichtigste Grundlage hierzu ist ein gesunder Biorhythmus anzusehen.

Dies bedeutet, dass die Betroffenen weder zu kurz, noch zu lang und nach Möglichkeit zu den Zeiten schlafen sollten, wenn sie tatsächlich müde sind. Meinungen, welche die Dauer von gesundem Schlaf betreffen haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend als nicht haltbar und nicht mehr zeitgemäß heraus gestellt. In neueren Studien mit teilweise über 50.000 Teilnehmern konnte gezeigt werden, dass der Schlafbedarf und der Schlafrhythmus zum Teil, möglicherweise sogar großteils in den Genen festgelegt ist.

In der heutigen Leistungsgesellschaft wird sich Stress nicht vermeiden lassen, jedoch sollten Betroffene zumindest versuchen ihn vor allem dann zu reduzieren, wenn sie Symptome der Vorbotenphase bemerken. Dies verhindert nicht mehr den Migräneanfall, kann jedoch dessen Verlauf positiv beeinflussen. Weiterhin ist wichtig, dass von den Betroffenen Nahrungsmittel gemieden werden, welche einen nachgewiesenen oder zumindest einen wahrscheinlichen Einfluss auf das Auftreten von Migräneanfällen haben. Bei Frauen kann darüber hinaus eine Regulierung des Hormonspiegels durch Verhütungsmittel stattfinden.

Es konnte bereits vor längerer Zeit in einer Studie gezeigt werden, dass Frauen, welche normalerweise die Pille nehmen, nach dem Absetzen oder in Pausen der hormonellen Verhütung vermehrt zu Migräneanfällen neigen. Diese Erkenntnis sollte nicht dazu führen, dass Frauen, welche üblicherweise nicht hormonell verhüten damit anfangen sollten. Doch Frauen, die bereits hormonell verhüten, sollten nach Möglichkeit noch stärker darauf achten, dass sie die Präparate regelmäßig einnehmen und auf bewusste Pausen der Einnahme verzichten, sofern diese nicht aus anderen Gründen notwendig sind.

Darüber hinaus kann die Häufigkeit von Migräneanfällen durch den Einsatz geeigneter Mittel reduziert werden. Das Prinzip ist hierbei das gleiche, wie bei Stoffen, welche Migräneanfälle auslösen können. Da Migräne eine neurologische Erkrankung ist, kann das Nervensystem nicht nur negativ beeinflusst werden, wie es bei Stoffen wie Koffein, Alkohol und schwankenden Konzentrationen verschiedener Neurotransmitter der Fall ist, sondern es ist auch eine positive Beeinflussung möglich. Diese ist, ganz allgemein gesprochen, durch Stoffe möglich, welche eine beruhigende und entspannende Wirkung auf das Nervensystem haben.

Behandlungsmöglichkeiten

Da eine Heilung von Migräne zur Zeit nicht möglich ist und es auch nicht bald sein wird, bleibt Betroffenen Personen nur die symptomatische Behandlung um die Beschwerden bei einem Migräneanfall auf ein Minimum zu senken. Da Migräne immer mit einer Überlastung des Nervensystems zu tun hat, ist es von großer Bedeutung stimulierende Umweltfaktoren auf ein Minimum zu reduzieren. Da vor allem das Sehzentrum und die visuelle Wahrnehmung von den Symptomen einer Migräne betroffen sind, ist es wichtig, dass eine betroffene Person in einen abgedunkelten Raum gebracht wird, wo die Augen entspannen können und sie das Gehirn nicht unnötig mit noch mehr Sinneseindrücken überlasten. Auch alle anderen Sinne sollten so weit wie möglich entlastet werden um die fehlerhaften neuronalen Impulse im Gehirn auf einem niedrigen Niveau zu halten und das Abklingen des Migräneanfalls so weit es geht zu beschleunigen. Doch während die Reduktion von Sinneseindrücken einen positiven Einfluss auf den Verlauf eines Migräneanfalls hat, reicht dies nicht aus um Betroffen dauerhaft und umfassend zu helfen. Wie bereits erwähnt, bietet nur eine Behandlung mit Stoffen, die eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem haben echte Abhilfe.

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Medikamenten, welche regelmäßig zur Behandlung von Migräne verschrieben und eingenommen werden. Doch sind solche Medikamente nahezu immer mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Nebenwirkungen verbunden. In der jüngsten Vergangenheit wurde entdeckt, dass auch rein pflanzliche Mittel Personen mit Migräne helfen können. Dabei ist die positive Wirkung von Hanf ganz besonders stark ins Bickfeld aktueller Forschungen gerückt. Es ist seit langer Zeit bekannt, dass die wirksamen Inhaltsstoffe der Hanfpflanze, die Cannabinoide, eine entspannende Wirkung auf das Nervensystem haben. Da jedoch das Tetrahydrocannabinol, kurz THC einen schlechten Ruf hat und aus rechtlicher Sicht sehr problematisch ist, wurde lange nicht bemerkt, dass auch andere der 80 bekannten Cannabinoide eine ähnliche Wirkung haben und vollkommen unproblematisch sind. Seit kurzem ist das Cannabinoid Cannabidiol, kurz CBD in den Mittelpunkt des Interesses gerückt und es gibt immer mehr Studien, welche die positive Wirkung einer Behandlung mit CBD bei Personen mit einer Migräne Erkrankung belegen.

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