Migräne Aura – Formen, Symptome und Auslöser

Alle Formen und Symptome der Migräne Aura
29 Mrz

Die Migräne, im Französischen und Englischen als migraine bezeichnet, ist eine neuronale Erkrankung, die in unregelmäßigen Schüben auftritt und deren bekanntestes Symptom ein intensiver, meistens einseitiger Kopfschmerz ist. Dieses Symptom ist namensgebend für die Erkrankung, deren Name sich aus dem Altgriechischen von hemikrania und dem Lateinischen hemigrania zum französischen Wort migraine gewandelt hat und frei übersetzt soviel wie halbschädeliger Schmerz bedeutet. Doch während dieser intensive Kopfschmerz das bekannteste Symptom darstellt, ist er nicht das einzige. Tatsächlich ist nicht einmal die Migräne Erkrankung selbst einheitlich, sondern sie stellt einen Sammelbegriff für mehrere sehr ähnliche Krankheitsbilder dar, welche einen gemeinsamen Hintergrund haben dürften. Dieser Tatsache entsprechend unterscheiden sich auch die Symptome der verscheidenen Formen von Migräne und erlauben im Zuge einer Diagnose die genaue Benennung der vorliegenden Form.

Die unterschiedlichen Formen von Migräne

Gemäß der Klassifikation nach der ICD-10, der zehnten Fassung der „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“ wird die Migräne im sechsten Kapitel, den Krankheiten des Nervensystems geführt. Dort befindet sie sich in der Liste der „Episodischen und paroxysmalen Krankheiten des Nervensystems“ und trägt die Kennung G43. Unter dieser Kennung ist die Migräne in sechs Formen spezifiziert.

Diese Formen tragen die Kennungen:

  • G43.0 – Migräne ohne Aura (Gewöhnliche Migräne)
  • G43.1 – Migräne mit Aura [Klassische Migräne]
  • G43.2 – Status migraenosus
  • G43.3 – Komplizierte Migräne
  • G43.8 – Sonstige Migräne
  • G43.9 – Migräne (nicht näher bezeichnet)

Migräne Klassifizierung gemäß ICD-10

Während die meisten Typen von Migräne Sonderformen darstellen und die betroffenen Personen oft nur einen Teil aller möglichen Symptome aufweisen, fällt die gewöhnliche Migräne besonders auf. Die Symptome sind dabei so vielfältig, dass die ICD-10 die Migräne mit Aura noch weiter unterteilt um sie besser spezifizieren zu können.

Migräne mit Aura – die klassische Migräne

Von allen Formen von Migräne ist die klassische Migräne die komplexeste Form mit der größten Vielfalt an Symptomen. Genau genommen handelt es sich hierbei um eine ganze Gruppe von Migräne Formen, welche, im Gegensatz zu allen anderen Typen, sich in einem bestimmten Symptom gleichen. Bei diesem Symptom handelt es sich um das Auftreten einer Aura.

Die Gruppe der Migräne Formen mit Aura umfasst laut ICD-10 die folgenden Formen:

  • äquivalente Migräne
  • Migräne mit Aura ohne Kopfschmerz
  • basiläre Migräne
  • familiär-hemiplegische Migräne
  • mit:
  • akut einsetzender Aura
  • prolongierterter Aura
  • typischer Aura

Die Einteilung gemäß der IHS, der „The international classification of headache disorders“ unterscheidet sich hiervon etwas, jedoch bleibt die Aura als zentrales Symptom für die Diagnose dieser Form von Migräne erhalten.

Alle Symptome von Migräne haben ihren Ursprung in fehlerhaften Reizen, genau genommen Überreizungen des Nervensystems. Dabei wird durch Sinneseindrücke oder durch den Einfluss von Neurotransmittern, körperfremden neuroaktiven Stoffen und Giftstoffen das periphere und infolge dessen das Zentralnervensystem so stark überreizt, dass es zu einer Depolarisation, einer starken Entladung der Nervenzellen kommt. Diese Entladung der Nervenzellen beginnt in einem Punkt und breitet sich von diesem ausgehend aus. Dabei treten zwei Phänomene auf. Das erste ist, dass an der Front dieser sich ausbreitenden Entladung die Neuronen ihr elektrisches Potential entladen müssen, wodurch der intensive Schmerz verursacht wird. Hinter der Front bleiben die dann depolarisierten Neuronen zurück, welche für einige Zeit kein neues elektrisches Potential aufbauen können und deshalb nicht in der Lage sind neu eintreffende, vor allem aus den Sinnesorganen stammende, Signale zu verarbeiten und weiter zu leiten.

Die Depolarisation beschränkt sich oft auf nur eine Hirnhälfte, woher die Bezeichnung der Erkrankung stammt, kann sich jedoch auch über den Balken, auch Corpus callosum genannt, welcher beide Hemisphären des Gehirns mit einander verbindet, ausbreiten. In diesem Fall kommt es in der Regel dazu, dass die Symptome, vor allem der Kopfschmerz, auf der einen Seite des Gehirns abklingen, während sie sich auf der anderen Seite ausbreiten und verstärken. Das Phänomen der Depolarisation der Neuronen im Gehirn ist dafür verantwortlich, dass es bei allen Formen der Migräne zu den bekannten, mehr oder weniger stark ausgeprägten temporären neuronalen Ausfallerscheinungen kommt und das Nervensystem gleichzeitig mit neuen Reizen schnell überlastet ist. Wie empfindlich eine betroffene Person gegenüber bestimmten Reizen ist, hängt teilweise von der individuellen Ausprägung der Migräne Erkrankung ab.

Ein wichtigerer Faktor ist hingegen die Bedeutung des jeweiligen Sinnesorgans für den Menschen im Allgemeinen. Die unterschiedlichen Sinnesorgane sind gemäß ihrer Bedeutung unterschiedlich gut und entsprechend sensibel gegenüber Reizen und Sinneseindrücken. Je sensibler das jeweilige Sinnesorgan ist, desto anfälliger ist es für eine Überreizung während eines Migräneanfalls und desto deutlicher können betroffene Personen die neuronalen Ausfälle wahrnehmen. Da die Augen für den Menschen eine ganz besonders wichtige Rolle spielen, ist der Sehsinn besonders anfällig für Störungen während eines Migräneanfalls. Dies ist der Grund, wieso die Migräne Aura eine zentrale Rolle bei einem großen Anteil der Betroffenen spielt.

Neuronale Störungen als Symptome einer Migräne

Bei vielen betroffenen Personen treten während eines Migräneanfalls verschiedenste Wahrnehmungsstörungen auf, welche vor allem beim Sehsinn leicht erkannt werden können. Solche Störungen treten bei ungefähr jeder fünften betroffenen Person auf und werden unter dem Begriff der Migräne Aura zusammengefasst. Zu den Erscheinungen die hierbei auftreten können gehören optische Halluzinationen, eine reduzierte Empfindlichkeit des Sehfeldes, die so genannten Skotome, die Wahrnehmung nicht existierender zackiger Formen, die so genannten Fortifikationen, starke Einschränkungen des räumlichen Sehvermögens und ein mangelhaftes Schärfesehen.

Zu den Symptomen der Migräne Aura gehören jedoch auch einige weitere Täuschungen der Sinne, wie ein Kribbelgefühl in besonders berührungsempfindlichen Körperregionen oder ein lokal vollständiger Verlust des Tastsinns. Daneben können auch motorische Nervenfasern betroffen sein, wodurch es zu Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl und Sprachstörungen kommen kann.

Die Migräne Aura als zentrales Symptom

Ein besonders wichtiger Begriff im Zusammenhang mit Migräne Erkrankungen ist die ophthalmische Migräne, die auf Deutsch auch als Augenmigräne bezeichnet wird. Unter diesem Begriff sind die Symptome zusammengefasst, welche den Sehsinn betreffen und bereits kurz zusammengefasst wurden. Die Migräne Aura hat die gleichen neurologischen Hintergründe, wie auch alle anderen Symptome der Migräne. Es handelt sich um eine fortschreitende, sich ausbreitende Front von sich entladenden Neuronen, welche einen Bereich von depolarisierten und somit zur korrekten Weiterleitung von Impulsen unfähigen Neuronen zurück lässt. Diese neuronale Erscheinung kann sich auch im peripheren Nervensystem ausbreiten, wodurch jede Nervenzelle im Körper theoretisch von einer Migräne betroffen sein kann. Die Auswirkungen auf den Sehsinn sind besonders auffällig, da insbesondere in der Netzhaut mit den Sehzellen eine sehr hohe Dichte von Sinneszellen vorhanden sind. Dadurch können selbst räumlich sehr kleine Störungen des Nervensystems bereits deutlich wahrnehmbare Symptome verursauchen.

Optische Halluzinationen

Das Auftreten optischer Halluzinationen ist wahrscheinlich ein Symptom, welches an der überreizten Front, der von einem Migräneanfall akut betroffenen Neuronen auftritt. Halluzinationen sind die Wahrnehmung von Objekten, welche nicht existieren. Die Wahrnehmung ist allgemein ein Vorhandensein von Reizquellen, welche zu einer Reizung von Sinneszellen, also zu einer Generierung eines Sinneseindrucks führen, welcher dann erst von den Nerven durch die gezielte Entladung von elektrischen Potentialen an das Gehirn weiter geleitet werden kann. Erfolgt jedoch eine wahllose Entladung von elektrischen Potentialen durch einen Migräneanfall, dann werden künstliche Reize an das Gehirn weiter geleitet. Dieses interpretiert die Informationen aus der lebenslang erlernten Erfahrung so, als würden sie von dem betreffenden Sinnesorgan, in diesem Fall dem Auge stammen.

Sind von diesem Phänomen andere Nerven betroffen, können auch nicht reale Töne, als akustische Halluzinationen im Zuge einer akustischen Aura auftreten und sind haptische Sinneszellen betroffen, dann fühlen betroffene Personen ein Kribbelgefühl, welches sich, mit der wandernden Front überreizter Neuronen, in Gliedmaßen, im Gesicht und in anderen besonders stark berührungsempfindlichen Körperregionen ausbreiten und verschieben kann. Alle betroffenen Körperregionen sind beim Auftreten dieser Symptome gleichzeitig gegenüber normalen Sinneseindrücken überempfindlich. So sind helles Licht, laute Geräusche oder starke Berührungen akut betroffener Körperregionen für betroffene Personen sehr unangenehm und können die Beschwerden stark verschlimmern.

Skotome

Sobald die Front von wahllosen Entladungen über einen Bereich von Neuronen hinweg gezogen ist, bleibt ein Areal stark depolarisierter Neuronen zurück, welche für längere Zeit nicht wieder erregt werden können. Dies ähnelt geschädigten Neuronen oder einer vollständig unterbrochenen neuronalen Verbindung zwischen den betroffenen Körperregionen und dem Gehirn. Die Symptome sind denjenigen an der Erregungsfront genau entgegen gesetzt. In Gliedmaßen kann dies zu einer temporären Lähmung führen. Wenn der Hörsinn betroffen ist, kann es zu einer reduzierten Empfindlichkeit kommen, was sich als temporäre Schwerhörigkeit äußern kann. Wenn der Sehsinn betroffen ist, dann werden die damit zusammenhängenden Symptome als Skotom bezeichnet.

Dabei ist die Empfindlichkeit der Netzhaut stark reduziert und das wahrgenommene Bild erscheint dunkler als üblich. Diese Erscheinung ist, wie alle anderen Symptome der Migräne, nur auf einen Bereich der Netzhaut beschränkt und kann mit dem Wandern des Areals depolarisierter Neuronen über die gesamte Netzhaut wandern. Auch ist ein Flimmern des Skotoms, also eine schnell abnehmende und wieder zunehmende Empfindlichkeit der Netzhaut möglich. Bei den beschriebenen Erscheinungen handelt es sich um ein so genanntes relatives Skotom, welches nur eine gewisse Verringerung der Sehkraft verursacht. Um die Bedeutung dieses Begriffs zu erklären, kann er mit einem absoluten Skotom verglichen werden. Ein absolutes Skotom kann einfach als Erblindung bezeichnet werden. Während es sich bei den beschriebenen Skotomen durchweg um negative Skotome handelt, gibt es auch positive Skotome. Dabei ist in einem Bereich der Netzhat die Empfindlichkeit, ähnlich wie bei optischen Halluzinationen und den Fortifikationen, erhöht. Dadurch können in dem real wahrgenommenen Bild zusätzliche Strukturen gesehen werden.

Weitere Symptome der Migräne Aura

Das Auftreten von Problemen beim Schärfesehen und der temporäre Verlust der räumlichen Wahrnehmung kann nicht ganz eindeutig den Migränesymptomen bestimmter Neuronen zugeordnet werden. Da in jedem Fall die Netzhaut betroffen sein kann und in der Regel auch ist, kann theoretisch jede verminderte Wahrnehmungsfähigkeit auf depolarisierte Neuronen der Netzhaut, des Sehnervs und der für die Verarbeitung von optischen Signalen verantwortlichen Areale des Gehirns zurück geführt werden. Da das räumliche Sehvermögen von dem geringen Winkelunterschied zwischen den beiden Augen, dem binokularen Sehvermögen, abhängig ist, kann bereits ein lediglich reduziertes Sehvermögen des einen Auges zu einem temporären quasi-monokularen Sehen führen.

Dabei ist die Sehkraft des akut von der Migräne betroffenen Auges so weit reduziert, dass die restlichen Sinneseindrücke nicht für die Erstellung eines dreidimensionalen Bildes ausreichen. Das Symptom des reduzierten Schärfesehens muss hingegen nicht zwingend in den Neuronen des visuellen Systems lokalisiert sein. Das Schärfesehen ist von der Akkomodation des Auges abhängig. Das Auge ist dazu fähig die Entfernung des Schärfefelds nach Belieben anzupassen und auf bestimmte Entfernungen scharf zu stellen. Dies geschieht jedoch nicht durch das visuelle System, sondern hängt mit einer gezielten Verformung der Augenlinse zusammen. Diese kann durch einen durch die Migräne verursachten Ausfall motorischer Neuronen beeinträchtigt sein. Da für die Verformung der Linse ein Muskel verantwortlich ist, kann auch dieser von einer temporären Lähmung durch die Depolarisation der mit ihm verknüpften Neuronen betroffen sein. Das Auftreten von Fortifikationen, auch Teichopsie genannt, ist noch schwieriger zu erklären.

Es handelt sich hierbei um die Wahrnehmung spitzer, zackiger Formen, wie Dreiecken, welche ebenfalls flimmern können. Gleichzeitig kann dieses Phänomen von der Wahrnehmung schimmernder, heller Lichter in den Spektralfarben begleitet sein. Grundsätzlich hat die Teichopsie viele Gemeinsamkeiten mit den einfachen optischen Halluzinationen. Der Unterschied besteht hauptsächlich in der Wahrnehmung klarer, spitzer Figuren und Formen. Dies kann zur Zeit noch nicht abschließend erklärt werden, jedoch gibt es einen plausiblen Erklärungsansatz. Dieser besteht in der Tatsache, dass das Gehirn in ein gleichförmiges Bild immer versucht einen Sinn hinein zu interpretieren. Dies kann bei der Betrachtung eines Bildes mit Punkten in gleichen Abständen sowie aus Mustern bestehenden Bildern zur optischen Täuschung beobachtet werden. Nach wenigen Augenblicken versucht das Gehirn die Punkte zu Figuren zu verbinden, welche sich bereits mit kleinen Augenbewegungen verändern. Da bei der Überreizung der Netzhaut ein lokal begrenzt ähnlich gleichförmiges Bild wahrgenommen wird, kann es sein, dass das Gehirn dieses mit einem Sinn zu füllen versucht und Figuren erkennt, wo keine sind.

Individuelle Unterschiede

Abschließend muss zur Migräne Aura gesagt werden, dass jede betroffene Person die optischen Phänomene anders empfindet und sich die Ausprägung der Symptome niemals gleicht. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass Migräne Erkrankungen ein noch umfangreicheres Spektrum an Ursachen haben, als bisher angenommen und wahrscheinlich eine ganze Reihe von Genen an der Vielfalt der als Migräne bezeichneten Krankheitsbilder beteiligt ist.

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